Kritiker sind laut und Fans haben gefeiert. Doch warum macht niemand anders solche Veranstaltungen? Ein Kommentar von Marc Wegerhoff.

Schlager-Booom ist in aller Munde. DasErste (ARD) hat am vergangenen Samstag die Aufzeichnung vom Vortag ausgestrahlt. Moderiert von Florian Silbereisen präsentierte sich die „Crème de la Crème“ was Schlager zu bieten hat.

Helene Fischer, DJ Ötzi, Karel Gott, Helmut Lotti, Andreas Gabalier, Al Bano und Romina Power, Vanessa Mai, Oonagh, Santiano, Maite Kelly, Ross Anthony u. a. verzauberten die Westfalenhalle in Dortmund in einen wahren Schlagertempel.

Doch kaum ausgestrahlt, wurden positive, wie negativen Kritiken laut. So sprach sich Uwe Hübner durchaus überrascht und positiv zur Sendung aus.

Riesiges Kompliment! Die „Schlagerboom“-Show war das Beste, was dieses Genre in letzten Jahren zu bieten hatte. Oder…

Posted by Uwe Hübner on Samstag, 22. Oktober 2016

Was bei Facebook zu lesen war, ist die Summe aus purer Zufriedenheit der anwesenden Gäste und Fans. Auch die Medienvertreter rund um die Veranstaltung stimmten gute Kritiken ein.

Aus der süddeutschen Richtung kam ebenfalls eine Beurteilung, die die gesamte Veranstaltung als „Eine nette Samstagabend Unterhaltung Musik-Sendung“ wirken lässt. Georg Fischer (Die Offiziellen Party- & Schlagercharts) geht hier einen Schritt weiter und lobt die Macher damit, ihren Job wie erwartet gemacht zu haben, beschwichtigt aber gleichzeitig den Hype.

Sonntag Morgen – ein guter Morgen 😉 Und gestern auch "Schlagerboom" geschaut ? Eure Meinung ? Also meine persönliche…

Posted by Georg Fischer on Samstag, 22. Oktober 2016

Wer hat nun recht?

Meines Erachtens nach liegen alle richtig. Jeder aus seiner Sicht und seiner Funktion. Die Fans, ebenso wie ein Uwe Hübner, der „den Schlager“ gern öfter so im TV sehen will und auch ein Georg Fischer, der klar die Tatsachen erörtert. Ja, die Verantwortlichen haben einen super Job gemacht, denn genau das war ihre Aufgabe. Jeder einzelne hat dort eine Spitzenleistung erbracht, um dem Zuschauer ein tolles Schlager-Erlebnis zu präsentieren.

Warum gibt es nicht mehr solcher Events?

Klare Antwort: Zu teuer!
Ich kenne keinen Veranstalter dieser Branche, der eine solche Veranstaltung „mal eben“ aus dem Boden stampfen würde und dazu einen hohen 6-stelligen Betrag in die Hand nimmt und damit gleichzeitig ins Risiko geht. Denn am Ende des Tages zählt nur das Resultat und wenn Du als Veranstalter sowas aufziehst und es kommt dann keiner oder zu wenig, hast Du ganz nebenbei ne Viertelmillion oder mehr in den Sand gesetzt. Niemand halbwegs logisch denkende Unternehmer macht sowas. „Semmel Concerts Entertainment“ macht eine ähnliche Veranstaltung: „Die Schlagernacht“, gehört in Deutschland aber auch zu den Alpha-Männchen im Konzertbereich.

Die ARD / DasErste kann das aber tun. Es stehen hier Millionen an Beitragszahlern (Rundfunkbeitrag) dafür gerade und wenn so eine Sendung in die Hose geht, juckt es hinter wen? Richtig, kaum jemanden. Schon garnicht den Beitragszahler. Gleichzeitig ist die Schlagerszene nicht unbedingt mit Fans überrannt, die bereit sind hohe Eintrittsgelder zu zahlen. Geschweige denn, zahlen zu können. Sehen wir der Tatsache doch mal ins Auge. Im Schlager haben wir in der Masse Gäste, die sich die Eintrittskarten vom Mund absparen und darauf achten müssen, dass am Monatsende noch Brot und Wurst im Kühlschrank ist, auch wenn man sich eine Eintrittskarte gekauft hat. Die wenigstens gehören in die Riege, die auch mal an anderen Tagen 130 Euro pro Person für ein David Guetta Konzert hinblättern würden. So muss sich ein potentieller Veranstalter auch in dieser Hinsicht damit abfinden, dass über Eintrittsgelder nur recht wenig Refinanzierung stattfindet – gerade wenn die Halle nur eine begrenzte Anzahl Zuschauer erlaubt.

Schlager-Booom hatte die größten Stars dieser Branche verpflichtet. Damit war ein tolles und unterhaltsames Bühnenprogramm sichergestellt. Derartiges funktioniert leider nicht mit Künstlern, die ab und an mal für eine kleine Gage auftreten. Und die „Crème de la Crème“ verlangt auch cremige Gagen, die bezahlt werden müssen.

Fazit

Danke für eine tolle Sendung, die echte Unterhaltung geboten hat. Wie erwartet sahen wir die gleichen Gesichter, die wir zu solchen Anlässen immer sehen. Doch auch in Zukunft können wir nur darauf setzen, ähnliche Veranstaltungen in dieser Größenordnung nur von TV-finanzierten Veranstaltern zu sehen. Die Olé-Partyreihe von Markus Krampe ist sicher ähnlich teuer (pro Veranstaltung), hat aber eben mehr zahlende Vor-Ort-Zuschauer.

So komme ich zum Ergebnis: TV bleibt TV und Groß-Event bleibt Groß-Event. In diesem Fall hat jeder Beteiligte einen tollen Job gemacht, was ja auch erwartet wird und am Ende des Tages gab es eine Unterhaltungsshow für den Schlager, die lange überfällig war.

Foto:RREL-news - Bernd Ullrich
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