Auftritte so gestalten, damit sie das Publikum sofort faszinieren? Kein Problem, mit der richtigen Technik und den richtigen Tools schaffst Du einen Rahmen, der Deine Zuschauer verblüfft.

Ein 45-Minuten-Auftritt ist für jeden Künstler harte Arbeit. Auch wenn das aus Sicht des Publikums immer „einfach“ aussieht, was der Sänger dort oben auf der Bühne macht, ist es schwer.

Hier gilt die Regel:

Alles was einfach aussieht, ist schwer. Alles was schwer aussieht, ist einfach.Wenn ein Künstler auf der Bühne steht und merkt, dass sein Publikum gelangweilt ist, nicht mitmachen will, anders beschäftigt ist oder im schlimmsten Fall sogar massenweise den Raum verlässt, um zur Toilette oder zur Getränkebar zu gehen, zieht ihn das runter. Niemand kann sich davon freisprechen, dann kein schlechtes Gefühl zu haben. Das ist absolut menschlich und normal. Diese Situation – sofern sie so oder ähnlich passiert – zeigt aber deutlich, dass an der Person des Künstlers und/oder am Programm etwas nicht stimmt.

Es kann sein, dass der Interpret unbekannt ist, bisher kaum nennenswerte Erfolge erzielt hat, unsympathisch rübergekommen ist oder in der Vergangenheit durch andere Aktionen negativ aufgefallen ist. In jedem Fall fühlt sich der Künstler in dem Moment total unwohl.

Wie kannst Du es aber als Künstler schaffen, Dein Publikum ab Sekunde 1 in Dein Programm zu integrieren und die Leute so zu unterhalten, dass sie garkeine Zeit haben, den Raum zu verlassen?

Du hast die größte Energie im Raum

Als Künstler musst Du grundsätzlich die grösste Energie im gesamten Raum haben. Die Zuschauer müssen mit Deiner Energie mitgehen und sie aufsaugen. Wenn Du da mit einem „Low-Energy-Level“ auf die Bühne kommst, dann machen die das natürlich auch nicht. Also lerne, Dein eigenes Energielevel immer ganz hoch zu halten. DU bist derjenige, mit der meisten Energie im Raum und das verlagerst Du dann auf die Bühne und in Dein Programm.

Interaktion mit den Gästen

Integriere die Zuschauer in Dein Programm. Aber bitte: NICHT mit „Zicke zacke zicke zacke…“ oder „Jetzt alle Hände in den Himmel“, sondern unterhalte, entertain und aktiviere sie.

Wenn Du eigene kurze Moderationen zwischen Deinen Songs machen willst, dann gestalte diese mit Interaktion. Lass die Zuschauer etwas machen. Und zwar: UNTEREINANDER! Lass Deine Gäste merken, dass sie selbst der Star sind und es bei Deinem Auftritt um sie geht und nicht um Dich!

Kleines Beispiel gefällig? Ok, hier. Du könntest z. B. sagen:

Wow, wie krass könnt Ihr denn bitteschön feiern? Das ist ja toll. Von der Bühne aus sieht das aus, wie eine riesige Partygemeinde. Jeder Einzelne von Euch gibt hier alles. Und jetzt schau die Person, die neben Dir steht an, gib ihr ein High-Five und sag: DU machst die geilste Party der Welt!

Und schon hast Du wieder Energie im Raum verteilt und die Leute sind aktiviert und machen mit. Dann startest Du ohne weitere Moderation einfach Deinen nächsten Song. Bämmm!

Wer jetzt behauptet, dass sei Quatsch, albern oder funktioniert nicht, dem sei gesagt: JA, Du hast recht, aber es funktioniert trotzdem. Schau Dir doch mal die Fankurve von Borussia Dortmund an. Schau Dir mal Karneval oder das Oktoberfest an. Darüber sprechen die Leute das ganze Jahr, über diese paar Minuten Spaß. Und GENAU DAS holst Du in Deine 45 Minuten – in Deinen Auftritt!

Verblüffend? Ja, absolut!

Seien wir doch mal ganz ehrlich, es macht sich doch kein Künstler Gedanken darüber, ob sein/ihr Auftritt so sein könnte, wie Karneval – vor allem nicht, wenn die Jahreszeit überhaupt kein Karneval vermuten lässt. Aber Du musst Dich das halt einfach nur trauen. Du willst doch höhere Gagen erzielen und öfter gebucht werden. Du willst doch einen Unterschied machen zu dem, was vorher war. Dann musst Du Dinge auch einfach mal umsetzen und ausprobieren.

Ein unvergessliches Erlebnis

Bereite Deinen Gästen mit Deinem Auftritt ein unvergessliches Erlebnis, worüber sie auch im nächsten Jahr, zur gleichen Veranstaltung noch sprechen werden. Deine Gäste brauchen Schlüsselpunkte aus Deinem Auftritt, die sie sich merken können. Nur dann haben sie anschließend auch was zu erzählen.

Warst Du schonmal auf einem Konzert von Andrea Berg, Helene Fischer oder DJ Bobo? Du wirst Dich dann sicher genau daran erinnern, in welcher Welt Du Dich da wiedergefunden hast. Warst Du auf einem Piratenschiff oder in einer unvergesslichen und aufwendigen Kulisse? Klar warst Du das.

Anderes Beispiel: Jörg Bausch in Concert im legendären Starlight-Express Theater in Bochum. Wenn Du da warst, wirst Du kaum ein Detail vergessen, weil der „Rote Faden“ durchgehend sichtbar war. Natürlich erinnerst Du Dich, wie Jörg Bausch auf einem Segway über die Bühne gefahren ist oder am Piano mal gemeinsam mit seinem Publikum gesungen hat. Das sind echte Schlüsselmomente, die Dein Publikum braucht.

Bringe doch mal 3 riesige Luftballons mit zu Deinem Auftritt, die während Deiner Performance vom Publikum ständig in die Luft gestupst werden. Also ich meine die wirklich großen Ballons! Du erzeugst damit sofort Energie und machst Deinen Auftritt zu einem Erlebnis, über das die Leute lange sprechen werden. Sei mal kreativ und lass Dir was einfallen. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich.

Der Rahmen muss stimmen

Deine Musik und Deine Songs müssen gut sein. Ohne gutes Programm wirst Du auch keine Menschen bewegen können. Noch wichtiger ist aber der Rahmen Deines Programms. Eben genau so, wie ich oben erklärt habe. Setze bestimmte Schlüsselmomente, interagiere mit den Gästen und gebe ihnen das Gefühl, dass sie der Star sind und nicht Du!

Wenn der Rahmen Deines Auftritts perfekt ist, darf Dir auch ruhig mal ein Fehler passieren. Andere würden den Rahmen als „das Gesamtpaket stimmt“ bezeichnen. Aber das stimmt nicht ganz. Der Rahmen ist die Tasse, die Deinen Kaffee hält. Fehlt die Tasse (der Rahmen), kannst Du den besten Kaffee (Musik) der Welt haben – Du kannst ihn nicht halten.

Zusammenfassung und Tipp zum Abschluss

  1. Du hast die größte Energie im Raum
  2. Du interagierst mit den Gästen
  3. Du bereitest ihnen ein unvergessliches Erlebnis
  4. Dein Rahmen ist perfekt

Dein Auftritt ist Programm. Ich sehe viele Künstler, die zu einer Veranstaltung kommen, Songs mitbringen und einen Auftritt hinlegen, der mehr dem Zufall überlassen ist, als alles andere. Leider.

DEIN AUFTRITT ist 100%! Du musst in den Minuten, in denen Du auf der Bühne stehst, 100% geben. Egal, ob Du vorher im Stau standest, erkältet bist oder ein schlechten Tag hast. Das interessiert die Zuschauer nicht. 100% wird von Dir verlangt und Du musst (!!!) diese geben!

Baue Dir zu Hause einen kompletten Auftritt zusammen. Nutze einzelne Bausteine, die Du gekonnt zusammensetzen kannst, je nach dem, wie und wo Du auftrittst. Dein Auftritt muss nach Außen für die Zuschauer so aussehen, als wenn das alles spontan passiert. Dabei ist es alles ein Muster, eine Technik, auswendig gelernt und durchgeplant von A bis Z.

Mache das zu Hause alles schriftlich und nimm Dir viel Zeit dafür. Baue neben Deinen einzelnen Bausteinen auch den Rahmen, der ja bekanntlich wichtiger ist, als Dein Inhalt (Musik). Und dann lerne das alles auswendig. Übe, übe, übe, bis Du nachts aus dem Schlaf gerissen werden kannst und Dein Auftrittsprogramm runterrasselst.

Sei dabei kreativ! Viel Spaß und viel Erfolg! … und kommentiere hier unter dem Beitrag, welche Ideen Du hast, was Du anders machen könntest und wie DU Dein Publikum in Zukunft mitnehmen willst.

Marc Wegerhoff

PS: Wie Du jeden einzelnen Deiner Zuschauer ansprechen kannst und für Dein Auftritt begeisterst, erkläre ich Dir bei den 3 unterschiedlichen Menschentypen, die Dein Publikum ausmachen.

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