Inzwischen geht die Verwendung digitaler Medien im Schulalltag weit über den Informatikunterricht hinaus. Allein die Recherche mancher Hausaufgaben verlangt einen Internetanschluss jedes Haushalts.

Auch um Stundenpläne oder die Speisekarte der Schulkantine einzusehen, müssen Schüler heutzutage online gehen. Der Computer ist in den letzten Jahren zu einem Klassenkameraden geworden, der kaum noch weg zu denken ist. Dabei werfen Eltern ihren Kindern häufig vor, nur noch in der virtuellen Welt zu verkehren. Existieren wirklich Risiken bei zu hoher Computerpräsenz, die die Bedenken der Eltern rechtfertigen? Oder profitieren die Heranwachsenden sogar von dem technischen Gebrauch als Lehrmaterial?

Wie viel Zeit sollten Kinder vor dem Computer verbringen?

Experten empfehlen Kindern im Schulalter, rund eine Stunde am Tag am Computer zu verbringen. Nutzen diese das Medium zum Lernen, darf die erlaubte Zeit auch erhöht werden. Grundsätzlich ist aber zu beachten, dass neben dem Computer auch noch andere technische Geräte wie das Smartphone oder der Fernseher genutzt werden. Da diese fester Bestandteil der Nachmittagsbeschäftigung sind, sollte man den Schulcomputer ernsthaft hinterfragen. Wie sollen junge Menschen den vernünftigen Umgang mit technischen Medien lernen, wenn sie pausenlos damit konfrontiert werden?

Gute Zensuren setzen Computerkenntnisse voraus

Lehrer verlangen heutzutage, Referate mit technischen Hilfsmitteln auszuschmücken. Eine PowerPoint Präsentation macht Vorträge anschaulicher und verschafft dem Redner mehr Aufmerksamkeit. Simple Plakate, die ebenso aufwendig sind und manchmal sogar mehr Mühe erfordern, sind längst überholt. Eine gute Note erhält nur der Referendar, der den Computer in seine Arbeit einbezieht.

Vorteile des Schulcomputers

Herkömmliches Lehrmaterial durch einen Computer zu ersetzen, wird nicht zu Unrecht diskutiert. Eine solche Revolution bringt viele Vorteile mit sich:

  • Obwohl Schulranzen etwa zehn Prozent des Körpergewichts wiegen sollten, tragen viele Kinder deutlich mehr Last. Das Ersetzen der schweren Bücher durch einen Laptop wäre eine sinnvolle Alternative.
  • Abgetippte Texte wären zudem für Lehrer lesbarer. Arbeiten ohne Tintenflecken machen einen saubereren Eindruck. Insbesondere Linkshänder neigen dazu, über den frisch geschriebenen Text zu wischen und somit die Wörter zu verwischen. Außerdem stoßen sie bei unglücklicher Platzwahl ständig mit dem Schreibarm eines Rechtshänders zusammen. All diesen Problemen könnte eine Tastatur vorbeugen.
  • Eine ausgenbaute Technik ermöglichte es kranken Kindern trotzdem am Unterricht teilzunehmen und über den E-Mail Versand selbst verfasste Arbeiten einzureichen. Im Unterricht behandelte Themen könnten zusammengefasst gespeichert werden, sodass eine handschriftliche Kopie oder das Erarbeiten anhand eines Buches nicht nötig wären.
  • Viele Schüler nutzen im Unterricht (auch ohne Erlaubnis) ihr Handy, um Vokabeln nachzuschlagen oder Fakten zu googlen. Die allgemeine Computereinführung machte die Beteiligungschancen gerechter, da dann auch Schüler, die keinen Internetzugang haben, Informationen aus dem Netz filtern könnten.
  • Ebenso sparte eine technische Erneuerung Unmengen Papier. Nicht umsonst überlegt die Presse, Zeitungen in Zukunft online zu stellen.

Nachteile des Schulcomputers

  • Stellt sich nur die Frage, wer diese Umstellung finanzieren soll. Wahrscheinlich können gering verdienende Familie nicht drei Kinder mit Laptops ausstatten. Eventuell müsste der Staat also bundesweit für die Kosten aufkommen.
  • Was passiert im Falle eines Stromausfalls? Ein technischer Defekt ließe den Unterricht ausfallen. Überdies bieten Online-Datenvermittlungen auch ein großes Manipulationspotenzial.
  • Laut Studien prägt sich das menschliche Gehirn, handschriftlich verfasste Texte besser ein, als abgetippte. Ein Schulsystem ohne Computer stärkt erhöht demnach den Lerneffekt.
  • Besonders kritisch sollte man die körperlichen Auswirkungen betrachten. Die künstliche Bildschirmbeleuchtung manipuliert das Zeitempfinden eines Menschen. Nicht umsonst empfehlen Experten, bei völliger Dunkelheit zu schlafen und eine Stunde vor Zubettgehen nicht mehr fernzusehen. Noch folgenschwerer sind die Rückenschmerzen, die mittlerweile jeden dritten Büroarbeiter plagen.

In Anbetracht dieser Argumente ist es schwierig, für eine Position Partei zu ergreifen. Vieles spricht für einen Lerncomputer, vieles dagegen.

Kinder wachsen mit Computern auf

Trotzdem muss der frühe Computerumgang einen Erfolg bringen. Immerhin lernen selbst Kleinkinder das Sprechen nicht mehr mit Bilderbüchern, sondern mit technischen Mitteln. Auf dem Spielzeugmarkt boomen die Elektrogeräte mit Sprachfunktion, die das Baby auffordern, die Wörter nach zu sagen.

Nicht alle sind begeistert

Erstaunlicherweise hängt Deutschland bei der Digitalisierung der Schulen im weltweiten Vergleich jedoch den anderen Ländern hinterher. Selbst Entwicklungsländer sind besser ausgestattet. Die Skepsis muss also durchaus Ursachen haben.

Vor allem Lehrer sind nicht vom Lernen am Computer begeistert. Vordergründig fehlt ihnen das fachliche Know-how, um den Unterricht mit dem technischen Hilfsmittel zu leiten.

Sie beobachten zwar, dass Schüler sorgfältiger und eifriger an ihren Schulaufgaben arbeiten, aber der positive Effekt ist wissenschaftlich nicht belegt. Hauptsache die Schüler sind lernmotivierter, könnte man meinen. Aber auch dem ist nicht so. Zahlreiche Jugendliche fühlen sich einem Vorurteil ausgesetzt. Immer wieder wirft man Heranwachsenden vor, sich ausschließlich mit digitalen Geräten zu beschäftigen. Dabei wissen die jungen Leute durchaus noch kulturelle Werte wie Handschrift oder Bücher zu schätzen. Auch in Schülerkreisen macht sich die Angst vor der vollständigen Digitalisierung bemerkbar.

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