So kannst Du einfach abfragen, welcher Künstler tatsächlich pleite ist und eigentlich ist es auch total egal...

Aus aktuellem Anlass und weil es in der Szene gerade die Runde macht, stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt wichtig ist, wenn ein Schlagersänger „pleite“ bzw. insolvent ist. Um das auf die Schnelle zu beantworten: Es ist im ersten Step total unwichtig! Hier jetzt mal ein paar Gedanken von mir dazu. Damit ich mir aber das Recht verdiene darüber zu philosophieren, muss ich sagen, dass ich vor einigen Jahren eben auch insolvent war und meine ersten echten selbstständigen Gehversuche Anfang der 2000er Jahre mit einer Viertelmillion Euro Schulden vor die Wand gefahren habe.

Die 6 Jahre (sog. Wohlverhaltensphase) der Insolvenz ist garnicht das Schlimmste, denn diese Zeit gehört eher zu den angenehmeren Phasen. Und genau hier ist der Knackpunkt! Die härteste Phase ist nämlich die gesamte Zeit davor, die überhaupt zur Insolvenz geführt hat. Ich will auch erklären warum.

Oft ist es so – unabhängig davon, ob man Schlagersänger ist oder irgendwas anderes – hat man lange Zeit vor der Insolvenz extreme finanzielle Schwierigkeiten. Ob man da „unverschuldet“, durch einen Schicksalsschlag oder durch Konsumschulden reinschliddert, spielt dabei schon eine Rolle. In den allermeisten Fällen sind es nämlich die Konsumschulden und/oder ein so hoher Lebensstandard, dass dieser irgendwann nicht mehr finanziert werden kann. Nach Außen will man aber natürlich noch den Coolen souveränen Menschen geben, den die Freunde und Familie schießlich kennen. Der, der keine (Geld-)Sorgen kennt und sich alle erdenklichen Neuheiten ins Wohnzimmer oder die Garage stellen kann.

Die Zeit vor der Insolvenz ist geprägt durch Selbstbetrug, Niedergeschlagenheit, „Nichtganzdiewahrheitsagen“ usw.

Die Erkenntnis kommt oft schlagartig

Im stillen Kämmerchen sieht das dann aber leider ganz anders aus. Schulden verändern Menschen und um das ach so schöne Bild nach Außen nicht zu beschädigen, kommt es dazu, dass man vielleicht nicht immer die ganze Wahrheit erzählt. Vielen insolventen Menschen ereilt eine Art „Scheiss-Egal-Einstellung“, die auch im Freundeskreis und in der Familie nicht unbedingt halt macht. So führt das dazu, bzw. kann dazu führen, dass derjenige sich Geld leiht und zum gleichen Zeitpunkt bereits weiß, dass man es nie zurückzahlen kann. Im strafrechtlichen Sinne ist das sicher ein lupenreiner Betrug und wenn der Geldgeber aus dem Freundeskreis ist, sicher auch persönlich und freundschaftlich sehr verwerflich.

Das ist auf jeden Fall ein sicherer Weg Freunde, Kollegen, Familie und Geschäftspartner zu verlieren. In dieser Zeit vor der Insolvenz dreht sich alles um Geld. Man versucht alle Kröten, die man kriegen kann, einzusammeln. Aber eben nicht zur Schuldentilgung, sondern um den Lebensstandard möglichst zu halten. Dass das natürlich irgendwo – und auch sehr schnell – ein Ende hat, dürfte jedem klar sein. Nur dem Schuldner nicht.

Die Erkenntnis kommt erst dann, wenn alle Geldquellen vergrault und versiegt sind und der Gang zum Schuldenberater oder zum Amtsgericht unausweichlich ist. Erst dann stellt sich so nach der Rückflug auf den Boden der Tatsachen ein und man erkennt immer schneller, was eigentlich das Problem für die finanziellen Sorgen war: Man selbst!

Wie geht man mit Pleite-Menschen um?

Wenn gegen einen Mensch ein Insolvenzverfahren läuft, dann sollte man dieser Person erstmal gratulieren. Und zwar zu dem Schritt, die Hosen runter und das Ego in der Versenkung verschwinden zu lassen. Der Vorteil einer Insolvenz ist, dass dann andere die Steuerung der finanziellen Angelegenheiten übernehmen – nämlich der Insolvenzverwalter. Der sorgt kurzum dafür, dass die betreffende Person mit dem geringstmöglichen Geld monatlich auskommen muss. Und zwar für 6 Jahre. Wer in der Zeit Mist baut, läuft Gefahr, dass die Restschuldbefreiung anschließend versagt wird und dann klingeln Gläubiger und Gerichtsvollzieher wieder an der Tür und pfänden was das Zeug hält.

Es bringt rein garnichts, eine Person an den Pranger zu stellen mit dem Finger drauf zu zeigen, wie böse oder schlecht dieser Mensch vermeintlich ist. Das hilft niemandem. Wer vom Schuldner noch Geld zu kriegen hat und jetzt feststellt, dass der Insolvenzverwalter in den nächsten 6 Jahren so gut wie nichts zu verteilen hat, mag sauer sein – richtig sauer. Aber hat man dem jetzigen Schuldner nicht vorher mal vertraut?

Was auch die Ursachen für das Scheitern in finanziellen Dingen ist, wenn jemand seine Not erkannt hat und etwas dagegen tut, die Hosen runterlässt und sich die Fehler eingesteht, ist es an der Zeit, dass man als Gläubiger auch akzeptiert, dass es nunmal so ist. Man ist persönlich enttäuscht worden, bleibt auf Forderungen sitzen und kann sich dennoch überlegen, ob man dem Schuldner in Zukunft aus dem Weg geht oder ihm eine zweite Chance gibt. Man selbst weiß ja als Gläubiger jetzt, was man nicht machen sollte. Und der Schuldner wird sich in den 6 Jahren auch regenerieren.

Persönliches Fazit

Ich selbst habe das ja durchgemacht. Mich haben 6 Jahre Wohlverhaltensphase am Existenzminimum (und darunter) neu aufgestellt. Meine Restschuldbefreiung ist nun schon ein paar Jahre her, aber eine Insolvenz verändert einen Menschen. Mich zum Positiven. Schulden? Hab ich keine. Konto überzogen? Gibt es bei mir nicht. Lebensstandard: Oberer Standard und zufrieden, weil ich es mir nach und nach wieder aufgebaut habe. Mit Menschen, die Vertrauen in mich hatten und haben.

Stellt die Leute nicht an den Pranger. Ein Insolvenzverfahren ist die Keule, die diese Menschen zu spüren bekommen. Und ganz ehrlich, selbst nach einer Restschuldbefreiung bist Du nicht sofort wieder kreditwürdig. Das dauert Jahre! Man kann davon ausgehen, dass eine normal-verlaufende Insolvenz etwa 10 Jahre dauert. Wenn man sich in der Zeit bewusst auf die Situation einstellt und damit arbeitet, hat man anschließend wieder eine normale Bonität.

Es ist scheißegal, ob ein Schlagersänger, deren Ehepartner, Onkel, Tante, Oma, Opa, Hund oder Katze pleite ist. Lass ihn/sie gehen oder akzeptiere es. Im Besten Fall hilfst Du ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Ohne Geld!

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeit höchstunangenehm war. Aber als irgendwann mal alles vorbei war, ging es ganz schnell wieder bergauf. Mit neuen einschlägigen Erkenntnissen und Lehren, die man gezogen hat.

Viele liebe Grüße
Marc Wegerhoff

PS: Man kann öffentlich abfragen, ob jemand insolvent ist. Das wird hier erklärt.


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