Das Rennen um den aktuellen Mallorca-Hit läuft auf Hochtouren und jedes Jahr aufs Neue zeigt sich hier glasklar, was die Künstler und Produzenten in Bewegung setzen, um möglichst weit oben im Ranking zu stehen. Doch nicht nur Mallorca ist ein Thema. Der Schlager / Popschlager spaltet sich immer mehr, während die Einen versuchen auf toten Pferden zu reiten und die Anderen wiederum sich dem Trend der Zeit anzupassen.

In aller Munde ist gerade Sänger Tobee, der mit „Der Bass muss f*****“ passend zum Mallorca-Opening sicher nicht jeden Geschmack trifft, aber eben die Ohren aller öffnet. Auch hier scheiden sich die Geister. Zwischen „megakrass“, „das kann man doch so nicht machen“ und „Assi-Song“ ist alles dabei. Geschmäcker sind eben was? Genau: Verschieden. Klar provoziert er hier mit Titel, Song und Video, trifft aber sicher genau die Zielgruppe „Mallorca“ / Bierkönig und hat damit sehr gute Chancen einen Mallorca-Hit zu landen. Schau’n wir mal.

Die Frage muss aber gestellt werden: Müssen Künstler mit Songs provozieren, um erfolgreich zu sein? Klare Antwort: Nein, natürlich nicht. Aber es hilft in der aktuellen Zeit etwas, ins Gespräch zu kommen. Warum ist das so? Der Grund liegt doch auf der Hand, nur kaum einer will ihn sehen oder etwas daran ändern. Fakt ist, dass im Schlager/Popschlager alles zum Einheitsbrei verkommen ist. Für Mallorca werden alljährlich im Frühling die ach so tollsten Hits produziert, die seit Jahren den immergleichen Einheitssound haben und vom Text her zumindest so anspruchsvoll sind, dass sie gerade eben für Honks mit 2,5 Promille verständlich sind. Hauptsache mitgröhlen – egal bei was. Morgen weiß man das eh nicht mehr.

Nein, auch die Mallorca-Urlauber sind echt anspruchsvoller geworden. Die Playa de Palma hat sich stark verändert – nicht nur optisch. Die mündige Ballermann-Urlauber feiert lieber zu krassen Dance-Beats, als zu schnulzigen Schlager-Liebesliedern oder Sauf- und Trinksongs. Die Atzen haben 2009 mit „Hey das geht ab“ mal schön vorgelegt, was tatsächlich funktioniert. Da war plötzlich ein neuer Sound auf der Insel, mit coolen Jungs und einfachem Text. Danach kam lange nix mehr. Mickie Krause zum Beispiel legt jedes Jahr tolle Songs vor, die funktionieren. Mittlerweile ist auch Mia Julia fest etabliert und zeigt, was sie kann. Und das kann sie gut. Aber weder Krause noch Mia Julia „provozieren“ durch irgendwas – sie glänzen durch Professionalität und Kontinuität.

Ja, Tobee (aus unserem Beispiel) kennt man nur mit „harmlosen“ Partyschlagern und um jetzt in irgendeiner Form zwischen die anderen zu platzen, muss er provozieren. Anders wird er sonst nicht wahr- oder ernstgenommen. Ihm bleibt quasi nichts anderes übrig. Fakt ist aber, dass er zumindest mit seinem aktuellen Song aus dem Einheitsbrei heraustritt und neu & anders macht. Man darf also hier sehr gespannt sein, was die Urlaubsrückkehrer an den Flughäfen in Deutschland singen, wenn sie aus den Fliegern steigen.

Woran erkennt man Einheitsbrei?

Hör Dir doch mal einige aktuelle Popschlager-Titel an und du wirst ein Muster erkennen. Das Muster sind die immergleichen Sounds, die immergleichen schnulzigen Texte und Titel. Und in den Videos die immergleichen Tanzposen und Handbewegungen. Typische Schlager-Dance-Moves. Kennste? Vor einigen Monaten (oder Jahren?) hat z. B. Frank Neuenfels gesagt, er möchte sich mehr auf seine Karriere als Sänger konzentrieren, veröffentlichte eine Single mit einem „Bad-Boy-Cover“ und die Schlagerwelt hoffte auf etwas Neues. Was kam? Leider nichts. Ich persönlich hätte mir diesen „Bad-Boy-Stil“ und -Sound gewünscht. Stattdessen kommt Popschlager-Einheitsbrei mit Schlager-Dance-Moves-Video und Sounds, die irgendwie auch in den End-90er Jahren hängengeblieben sind. Bestes Beispiel: Sein aktuelles Video.

Sind wir doch mal ehrlich: Seit Jahren hören wir im Popschlager immer ein- und dieselben Sounds. Sei es die „Wendler-Bassdrum“ oder die ewig gleichen Synthies. Das war mal geil – damals. Die Partypeople haben sich weiterentwickelt, die Produktionen leider nur in den allerseltensten Fällen. Jörg Bausch – für mich ein großartiger Künstler – produziert seit Jahren nichts Neues. Hier wünsche ich mir sehnlichst, dass mal frischer Wind in die Produktionen kommt. Balladen, rockige Nummern.

Oder warum macht nichtmal irgendein Künstler etwas mit z. B. Dubstep-Elementen? Warum nicht? Schaut Euch die großen Videos bei Youtube an, holt Euch Inspirationen und vertraut nicht auf die uralten Ideen, die damals funktioniert haben und heute nur noch für ein müdes Lächeln sorgen. Mehr Dance- und Elektro-Elemente. Mehr mehr mehr. Frischer Wind ist das Stichwort – in Sound und auch im Bühnenprogramm. Aber das ist ein weiteres großes Thema für demnächst 😉

Also, die Antwort auf die Eingangsfrage ist: Nein, müssen sie nicht. Können und dürfen aber gern!

Wie siehst du das? Schreib hier in die Kommentare (Klick).

Tut was liebe Künstler und Produzenten.
Marc Wegerhoff

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